Na, das könnte eine richtig gute Idee sein: Ein thailändisches Gericht hat laut Spiegel Online Haftbefehl gegen Thaksin erlassen. Er soll der Anstifter der Unruhen sein. Der Mensch lebt mit einem nicaraguanischen und montenegrinischen Pass in Dubai und geht in Paris shoppen – während die Menschen in Bangkok auf den Straßen kämpfen, verletzt werden und sterben. Ja, nach der Lektüre des Spiegel-Artikels ist der Haftbefehl eine richtig gute Idee.

 

Laut Meldung der "Süddeutschen Zeitung" ist Thaksin mittlerweile in Bonn "untergeschlüpft". Am 29. Dezember 2008 hat er wohl eine Aufenthaltsgenehmigung beantragt und bekommen. Na, das ist doch was, ein Koffer ohnegleichen. Normalerweise finden solche Menschen Aufnahme in Terrorregimes wie dem Iran oder Turkmenistan. Nehmen wir also mal an, er lässt es sich in Bonn gutgehen. Vielleicht können wir ihm dann wenigstens ein paar seiner ergaunerten Milliarden abnehmen und sinnvollen Projekten in Thailand zukommen lassen.

 

Da haben wir in zahlreichen Vipassana-Retreats, also "Seminaren in Sachen buddhistischer Achtsamkeit", gelernt, dass das Leben aus Leid besteht, dass Mitgefühl immens wichtig ist. Dass es einen Weg zur Aufhebung des Leids gibt, und wie er beschritten werden kann. Das Konzept schließt allerdings aus, dass buddhistisch denkende Menschen anderen Leid zufügen. Umso heftiger die Meldung in der heutigen "taz": "AI wirft Thailand Folter vor". (mehr…)

 

Etliche Leute fragen mich zur Zeit, was denn da in Thailand abgeht. Spezialist bin ich keiner. Meine Theorie aber ist recht einfach: Stadt gegen Land, Land gegen Stadt. Thaksin hat damals die Menschen des Isan überzeugt, gekauft, hat den Berlusconi gemacht, und die Armen aus dem Armenhaus waren begeistert. So gewann er die Wahl. Im Grunde seines Herzens aber ist Thaksin ein ganz ordinärer Verbrecher, der zu Recht zu zwei Jahren verknackt wurde und jetzt im Exil lebt, wohl in Dubai. Seinen Fans aber hat sein Abgang das Herz gebrochen.

Dann gibt’s noch die städtische Elite in Bangkok. Auch korrupt, auch mächtig. Die Menschen vom Land beäugt sie skeptisch, sieht sie als Tuk-Tuk-Fahrer, Hausmädchen und Prostituierte. Und da sollen sie auch bleiben. Thaksin war entsorgt, jetzt witterte die Elite Morgenluft. Das Militär mischte ein bisschen mit, am Ende gab es Neuwahlen, und es gewann Thaksin. Nicht er persönlich, aber sein Schwager wurden Ministerpräsident. Und dann schickt die Bangkoker Elite ihre Büttel auf die Straße, um auch ihn zu entsorgen. Klug gemacht, Flughafen besetzt. Die Geschichte kennen wir.

Heute nun ist die Regierungspartei vom Obersten Gericht verboten worden, wegen gefälschten Wahlergebnissen. Macht aber nichts: Die Jungs gründen eine neue Partei, wählen einen neuen Ministerpräsident, und auch das wird ein Thaksin-Klon sein. Und, das ist wirklich dumm: Selbst bei kompletten Neuwahlen würde wohl die Partei Thaksins wiedergewählt. Die Situation ist also aussichtslos. Es sei denn, der König spricht ein Machtwort. Freitag hat er Geburtstag, eine gute Gelegenheit …

 

Klingt erstmal gut, dass Thaksin in Abwesenheit zu zwei Jahren verurteilt worden ist. Immerhin ist der Mensch erwiesenermaßen ein ganz ordinärer Verbrecher. Wenn auch ein reicher, mächtiger und vor allem immens einflussreicher. Einen erhellenden Kommentar zu den neuesten Entwicklungen in Thailand bringt mal wieder mein Lieblingsblättchen (immerhin gehört mir als Genossenschaftler die Zeitung;-), die "taz".

 

"Touristen verlassen Backpacker-Straße Khao San"

schreibt "Spiegel Online" gerade. "Viele Touristen folgen bereits den Ratschlägen und stornieren Hotel- und Tourbuchungen. Backpacker-Hostels in der berühmten Khao-San-Straße in der Hauptstadt melden, dass die Gäste wegbleiben. "Sie scheinen sich unsicher zu fühlen", sagte Gästehaus-Besitzer Suthawan Ruangrat zur Nachrichtenagentur Reuters. "Viele haben ihre gebuchten Tourpakete abgesagt, und einige haben früh am Morgen ausgecheckt und das Hostel verlassen."

Schwierig ist es für uns zu verstehen, was da gerade ab- und wer gegen wen und warum auf die Straße geht. Der Hauptverantwortliche, Thaksin, sitzt im Exil in London und lässt es sich gut gehen. Seine Schergen, ihre Gegner, das Militär und die Polizei hauen sich gegenseitig die Köpfe wund. Die einen im gelben Hemd, die anderen im roten. Hoffen wir mal, dass der Alptraum für das Land des Lächelns bald vorüber ist …