Der Salinger-Nachruf in der taz vom Samstag war nicht so prickelnd. “Zu maniristisch” hätten wir in der Schreibwerkstatt gesagt, da ging mir mein Salinger verlustig unterwegs, aber sei’s drum. Glücklicherweise hatte mich nach 1,5 Tagen in Stuttgart eine derartige Erkältung erwischt, dass ich “Der Fänger im Roggen” in aller Ruhe zum circa 68ten Mal lesen konnte. In der wunderbaren Übersetzung von Eike Schönfeld von 2003. Hätte schwören können, dass ich irgendwo noch eine amerikanische Version rumliegen habe. War aber nix. Aber das Buch, ja mei, wunderbar. In einem Zug gelesen, an den Worten geklebt, genossen. Wie sagt der geneigte Angelsachse: “Enjoy!”. Yes, I did. Auch im Deutschen.

 

Na, da ist was dran: “The catcher in the rye” ist in der Tat eines der besten Bücher, die ich jemals gelesen haben. Mehrmals, viel mehrmals, eigentlich. Denn Holden Caulfield ist einfach cool, der spricht frei Schnauze und das mit einer enormen Gelassenheit. Das Buch saugt den Leser rein, genüsslich und zärtlich. Dass der jugendliche Held wohl 144 Mal “fuck” sagt, wie irgendwelche Erbsenzähler herausgefunden haben, das spricht nur für Holden. Oder vielmehr für J. D. Salinger, seinen Erfinder. Salinger war Thema meines ersten richtigen Referats in der Schule, im Literatur-Grundkurs bei Frau Fritsch. Und da erinnere ich mich gut dran. Denn gestört hat es mich damals, dass es den Menschen Salinger hinter dem Buch quasi nicht mehr gab. Er hatte sich völlig zurückgezogen nach seinem Erfolg. Salinger also ist jetzt, 91-jährig, gestorben. Schade. Einen guten Nachruf bringt heute der Spiegel.