Kürzlich in unserer hiesigen Stammkneipe, selbige macht jetzt Betriebsferien bis 11. Januar, und eine der beiden Bedienungen geht in Urlaub. Nach Bangkok. Denn Bangkok sei immer gut für drei Tage. Da hat sie recht. Danach geht sie nach Phuket zum Ausspannen. Ich würde sagen: Bleib’ in Bangkok, ist alles da. Aber Hauptsache ist, dass die Leute wieder nach Thailand fliegen. Viel hatten sich die Touristiker ausgedacht, um das milliardenschwere Tourismusgeschäft im Land des Lächelns am Laufen zu halten: 40 Euro pro Nase und Tag, an dem der Flieger während der Flughafenbesetzung nicht flog, kostenlose Flüge mit Air Asia, Preisreduktionen grad in Phuket in den Hotels usw. Ich sage: "Leute, fliegt nach Thailand, das tut Euch und den Thai gut! Außerdem ist über Weihnachten und Neujahr in Goa die Partymeile geschlossen. Also auf zum Partying an Koh Samui und Koh Phangan, Zwischenstopp in der Khao San eingeschlossen."
"Die Luft ist raus. Ist die Luft raus?" In Bangkok haben sich die Verhältnisse wohl zumindest soweit normalisiert, dass der Flughafen wieder arbeitet. Touristen werden wieder ausgeflogen. Die Besetzer von der Opposition ziehen sich zurück und feiern das Gerichtsurteil gegen die Regierungspartei als Erfolg. Na ja. Wir werden sehen, wie’s weitergeht. Bis dahin empfehle ich wieder mal "Spiegel Online". Aus Bangkok berichtet Thilo Thielke, ein kluger Kopf.
Etliche Leute fragen mich zur Zeit, was denn da in Thailand abgeht. Spezialist bin ich keiner. Meine Theorie aber ist recht einfach: Stadt gegen Land, Land gegen Stadt. Thaksin hat damals die Menschen des Isan überzeugt, gekauft, hat den Berlusconi gemacht, und die Armen aus dem Armenhaus waren begeistert. So gewann er die Wahl. Im Grunde seines Herzens aber ist Thaksin ein ganz ordinärer Verbrecher, der zu Recht zu zwei Jahren verknackt wurde und jetzt im Exil lebt, wohl in Dubai. Seinen Fans aber hat sein Abgang das Herz gebrochen.
Dann gibt’s noch die städtische Elite in Bangkok. Auch korrupt, auch mächtig. Die Menschen vom Land beäugt sie skeptisch, sieht sie als Tuk-Tuk-Fahrer, Hausmädchen und Prostituierte. Und da sollen sie auch bleiben. Thaksin war entsorgt, jetzt witterte die Elite Morgenluft. Das Militär mischte ein bisschen mit, am Ende gab es Neuwahlen, und es gewann Thaksin. Nicht er persönlich, aber sein Schwager wurden Ministerpräsident. Und dann schickt die Bangkoker Elite ihre Büttel auf die Straße, um auch ihn zu entsorgen. Klug gemacht, Flughafen besetzt. Die Geschichte kennen wir.
Heute nun ist die Regierungspartei vom Obersten Gericht verboten worden, wegen gefälschten Wahlergebnissen. Macht aber nichts: Die Jungs gründen eine neue Partei, wählen einen neuen Ministerpräsident, und auch das wird ein Thaksin-Klon sein. Und, das ist wirklich dumm: Selbst bei kompletten Neuwahlen würde wohl die Partei Thaksins wiedergewählt. Die Situation ist also aussichtslos. Es sei denn, der König spricht ein Machtwort. Freitag hat er Geburtstag, eine gute Gelegenheit …
Wenn Pepe Carvalho nach Bangkok geht, dann kommt dabei etwas Besonderes heraus. Immerhin ist der spanische Autor Manuel Vázquez Montalbán einer der zeitgenössischen Cracks im Krimi-Business, und sein Held, eben Pepe Carvalho aus Barcelona, ist eine besondere Type. Ihn verschlägt’s nach Bangkok, denn eine alte Freundin, Teresa, ist dort in echten Schwierigkeiten. Weiter geht’s auf dem Büchertisch.