Zugegeben: Die Idee ist nicht ganz neu. Kurt Tucholsky hatte sie genannt “Auf dem Nachtisch”. Es ging darum, Bücher vorzustellen, mit denen er sich gerade beschäftigt oder beschäftigt hat.
Was liegt also näher, als sich in loser Folge mit Reiseliteratur, fremden Ländern und Begegungen auseinanderzusetzen? Ich habe ein ganzes Regal voll. Zeit, mal wieder hineinzuschauen oder die Bücher im Regal dann bald doppelt zu stellen, da kein Platz mehr ist.
“Die letzten Tage von Hongkong” von John Burdett
Irgendwie komme ich um John Burdett nicht herum, wenn’s um Krimis aus Süd-Ost-Asien geht. Seine Bangkok-Thriller habe ich fast alle durch, jetzt hat mich Burdett nach Hongkong eingeladen. Nicht ohne einen Hinweis auf seine eigentliche Leidenschaft, Thailand, zu hinterlassen: Die Ex-Freundin unseres Helden schickt ihm eine wütende Postkarte, “diese Karte hatte sie aus Ko Phangan am Golf von Thailand geschrieben: ‘Du gehst mir überhaupt nicht ab’.” Nicht nett, aber Chan, der Held der Geschichte ist es auch nicht. Eigentlich sind alle in dieser überbordenen Story rund um Rauschgift, Triaden, Korruption, Macht, Verrat und Liebe nicht nett. Einige sterben und werden durch einen Fleischwolf gedreht. Das ist originell. Vieles aber ist ein typischer Burdett: “Too much”. Er packt immer alles rein, was seiner Ansicht nach geht. Und wieder muss ich sagen: 100 Seiten weniger, dann wären aus 500 Seiten 400 geworden, der Geschichte und dem Erzählfluss hätt’s nicht geschadet. Gut sind, auch wie immer, seine Ortskenntnisse. Hier können Leser und Besucher die Städte klasse kennenlernen und mitlaufen, wie in Bangkok, so auch in Hongkong. Kein Wunder: In Hongkong hat Burdett etliche Jahre gelebt.
Fazit: Gute Einführungslektüre für ein paar Tage in Hongkong. Die Story einfach so mitnehmen, sie ist gut für ein paar Tage Unterhaltung.
“Mitsukos Restaurant” von Christoph Peters
Nach dem Abi machen sich de Jungs auf den Weg nach Düsseldorf, um endlich mal japanisch zu essen. Dass das Essen teuer ist, das hatten sie gewusst. Aber gleich so teuer? Sie gehen lieber “gewöhnlich” essen. Doch Achim ist angefixt. Und irgendwann begegnet ihm dann die perfekte japanische Küche mit einer perfekten japanischen Köchin in einem Wandererheim irgendwo am Ende der Welt. Er verliebt sich in die Küche, in die Köchin, in die japanische Kultur. Schöne Geschichte das. Wunderbar erzählt, leicht und einfühlsam ohne Ende, fast schon ein bisschen weise. Und Peters Beschreibungen der Essenszubereitung, der japanischen Teekunst und auch – ganz nebenbei – der zwischenmenschlichen Beziehungen machen viel Freude, alle 415 Seiten lang. Habe es in einem Zug durchgelesen und genossen. Klar, dass ich “Mitsukos Restaurant” meinem alten Prof empfehlen werde, der seit etlichen Jahren auf dem Teeweg unterwegs ist. Er wird seine helle Freude haben.
Fazit: Gut, sehr gut, klasse zum Lesen, Erkenntnisse garantiert, Schmunzeln inklusive.
“Der buddhistische Mönch” von John Burdett
Zwei Dinge haben mich diesmal gefreut: Burdett benutzt das Wort “Nahtoderfahrung” (s. 180) und ein nettes Zitat zum Buddhismus: “Bis vor kurzem hatte ich keine Ahnung, wie begrenzt Theravada ist. Wollte ich mich heute ordinieren lassen, würde ich es vermutlich in Dharamsala tun, wo der Dalai Lama lebt” (S. 227). Kenne ich beides: die Nahtoderfahrung hinten auf einem Bangkoker Motorrad-Taxi und den tibetischen Buddhismus, über den ich meine Diplomarbeit gewürgt habe. Ja und Burdett ist wohl der Farang-Spezialist für Krimis, die in Bangkok spielen. Wenn man sich erstmal an seinen Stil gewöhnt hat, gehen die Bücher und geht vor allem “Der buddhistische Mönch” gut runter. Des Helden Ex-Geliebte, eine Prostituierte wird vor laufender Kamera umgebracht und Sonchai macht sich auf die Suche nach den Machern des Snuff-Movies. Dabei entdeckt er logischerweise weitere Bangkoker Abgründe, sympathisiert mit seinem korrupten Chef, liebt eine FBI-Agentin, die eigentlich nur eine Freundin ist und und und. Man merkt: Es geht einiges ab im Buddhistischen Mönch, der natürlich auch eine, die ausschlaggebende Rolle spielt. Lassen wir den unglaubwürdigen Showdown im Kambodschanischen Dschungel mal weg, dann ist Budett en feines Buch gelungen. Eben gut für das Durchlesen in einem Zug …
Fazit: 1A-Einführungslektüre für ein paar Tage in Bangkok. Am besten in einem Zug auf einem stinklangweiligen Thai-Airways-Flug zu genießen.
“Liebe und Tod auf Bali” von Vicky Baum
Also, das Buch hat mich gefesselt. Kann ich einfach so platt behaupten. Vicki Baum bietet eine Einblick in balinesisches (Alltags-)Leben, wie ich ihn sonst noch nicht gesehen und erlebt habe. Sie gestaltet Charaktäre, spinnt Handlungsfäden, zeigt das tägliche Leben um Dorf und im Reisfeld und, und das ist das Geniale, macht noch eine spannende Story daraus. Irgendwann logisch, dass der Fürst sich und seine ganze Meute in den Selbstmord treibt (aber da sind wir schon am Ende). Neugierig hat mich das Buch gemacht. Neugierig darauf, wieviel wirklich vom kolonialen Erbe und dem Leben unterm holländischen Kolonialismus übrig geblieben ist. Denn Bali schafft alle, ist eine der zentralen Messages. Mythen, Geister und die wohltuende Routine des Alltags im Dorf heilen alle Wunden. In ihrer Zeitlosigkeit überleben die Balinesen die weißen Einflüsse. Sie wissen, dass das Leben aus dem Reisfeld kommt, dass Nachts die Dämonen unterwegs sind, und wenn es Probleme gibt, ein Orakel weiterhilft. Menschen werden geboren, Menschen sterben, aber das sind nur Randnotizen. Der Reis muss gepflanzt, gepflegt und gepflügt werden, die Familien braucht ein Haus, das Dorf braucht einen Tempel, der Tempel braucht einen weisen Mann. So einfach ist das. Die Geschichte vom gestrandeten Schiff, dass letztendlich zum Krieg führt, gibt den roten Faden vor. Der Einmarsch der Holländer kreiert das Bild des Kolonialismus ist Süd-Ost-Asien, der Massenselbstmord im Palast steht für geistige Unabhängigkeit, die durch die Macht der Waffen nicht gebrochen werden kann. Gut! Vicki Baum hat auch “Hotel Shanghai” geschrieben. Das hole ich mir. Mal sehen, ob ihr Shanghai mit meinen Erlebnissen von 2006 zusammenpasst.
Fazit: Einwandfrei. Sollte Pflichtlektüren werden für alle Bali-Reisenden.
“Bali” von Alexander Nadler bei Iwanowski
Ist schon ein paar Takte alt, die letzte Ausgabe: 3. Auflage 2006. Manchmal merkt man es, wenn beispielsweise der historische Teil 2001 aufhört, um dann erst auf den blauen Seiten “NEWS aus Bali” wieder aufgenommen zu werden, um dort wiederum 2006 zu enden. Nun, 2007 war ich das letzte Mal auf Bali, hab’ also einen kleinen Informationsvorsprung. Beachtlich bei den Führern von Iwanowski ist immer die Fülle an Informationen. Da kann ich nur jedesmal aufs Neue staunen. Und manchmal blitzt sogar ein sprachliches Highlight durch. Das Buch ist gut lesbar, gut strukturiert, ordentlich recherchiert, interessant. Das Engagement von Autor Alexander Nadler ist immer spürbar. Leider hat er nichts, aber auch gar nichts übrig für Rucksackreisende: “Wer im Hotel unterkommt (…) ist mit einem stabilen Hartschalenkoffer (…) sowie Koffern und Taschen aus strapazierfähigem Kunststoffgewebe bestens bedient, wobei letztere vor allem Leute mit wenig Gepäck zu empfehlen sind, da sie so das negative Image des Rucksacktouristen vermeiden.” (S. 237) Na ja, das kann ich so nicht unterschreiben. Die größten Assköpfe, beispielsweise in Kuta, sind Australier und die kommen meist mit dem Hartschalenkoffer. Das Lamento begegnet uns aber noch an mehreren Stellen. Ansonsten ist der orangene Teil des Führers “Allgemeine Reisetipps von A-Z” eine Fundgrube an alltäglichen, balinesischen Weisheiten: “Meiden Sie in den Bussen nach Möglichkeit die beiden vordersten Reihe und Plätze auf den Achsen.” “Den besten Schutz vor möglichen Infektionen bietet immer noch die Einhaltung der nowendigen Hygiene.” Aber, klar, auch das muss gesagt werden. Und auch dass Mann nicht so viel Alkohol trinken soll bei der Hitze, genau. Also: Richtig gut ist “Bali” bei ausführlichsten Beschreibungen des täglichen Lebens, der “zeitlosen” Attraktionen, Museen und Highlights. Dünner wird’s bei der Beschreibung der Kneipenwelt, der Losmen (billige Unterkünfte) und des Rucksacker-Lebens auf Bali. Dafür habe ich mich bei Nadlers Beschreibungen beispielsweise von Ubud und Kuta sehr gut aufgehoben gefühlt.
Fazit: Auch hier zeigt sich wieder, dass die Iwanowski-Reihe für Planung und Recherche im Vorfeld einer Reise klasse ist. Habe etlichen Themenanregungen für den nächsten Bali-Gig und mein nächstes Buch mitnehmen können. Für Backpacker ist “Bali” vielleicht eine Nummer zu ambitioniert …
“Terrorist” von John Updike
Zugegeben: Mit den “Hasenherz”-Geschichten konnte ich nicht so viel anfangen. Aber dann ist mir letzten Freitag am Berliner Alexanderplatz in einem Billigbuchschuppen John Updikes “Terrorist” begegnet. 5 Euro statt 16, der Rückweg an den Bodensee stand bevor, also kaufen. Dass die Rowohlts das Ding verramschen, kann ich ihnen nicht verdenken. Denn die 1. Ausgabe ist absolut miserabel lektoriert. Daher nur 5 Euro. Aber lesenswert ist “Terrorist” allemal: Updike ist der Meister der Annäherung. An Menschen, an Situationen, an Charaktäre. In einem wunderbaren, von mir eh geschätzen, amerikanischen, lakonischen Stil. Parallel laufende Storys finden locker zum Großen Ganzen und über die Geschichte von Ahmed, der langsam aber sicher zum Terroristen mutiert wird, zeichnet Updike ein Gemälde der paranoiden Vereinigten Staaten nach Nine Eleven. Er portraitiert ein kaputtes System, leidende und mitleidende Menschen, und am Ende ist uns Ahmed als bombenbringender LKW-Fahrer fast ein wenig sympathisch. Er scheint in seiner Konsequenz noch der normalste Mensch im Roman zu sein. Kann mir gut vorstellen, dass das Buch, das als eines der wichtigsten Bücher Updikes gilt, in den USA nicht sonderlich gute Aufnahme fand. Updike starb am 27. Januar 2009, schade.
Fazit: Allein sprachlich ist “Terrorist” richtungweisen, die Story spannend und bereichernd.
Hut ab vor Updike, kaufen und durchlesen.
“The Elephanta Suite” von Paul Theroux.
Theroux ist ein genialer Autor. Quasi der Mensch, der die Reiseerzählung hoffähig gemacht hat. Kumpel von Chatwin, Vielschreiber, Weltreisender. Habe alle seine Reiseberichte gefressen. Viel aus seiner Feder ist nonsens, wie beispielsweise “Dr. Slaughter” oder seine Sci-Fi-Storys, aber seine Reiseberichte sind erste Sahne. Und jetzt also “The Elephanta Suite” (bisher leider nur auf Englisch). Die Elephante Suite ist in einem Hotel in Mumbay, um sie dreht sich die Welt der Weißen, die sich mit Indien konfrontiert sehen. Im Business, als Yoginis, als Suchende. In Indien beginnt alles, in Indien endet alles. Theroux schickt seine Menschen los, und lässt sie Indien erleben. Alle bleiben auf der Strecke: Sie sterben, verzweifeln oder verschwinden. Und dass es so kommt, ist absolut logisch, ist Indien. Glaube, Liebe, Hoffnung: Lass es fahren, ist Therouxs Message. Und er bietet wenig Trost. Therouxs Sprache ist genial einfach, einfach genial. Die Dialoge sind pointiert und einfach richtig. Hier glaube ich, Therouxs Genie zu spüren. Was er schreibt, stimmt. Jeder Satz, jedes Wort. Was er schreibt ist literarisch vom Feinsten, es beeindruckt, regt zum Nachdenken über das Menschsein an, ist einfach gut. “This is India with a human face”, schreibt der “Tatler” in einer Kritik. Stimmt!
Fazit: Kaufen, unbedingt. Und intensiv lesen, erfahren, spüren.
“In der Hitze des Dschungels” von Craig Thomas
Seite 289. Seite 289 ist die Seite, aus der ich aussteige. Immerhin lägen noch 190 vor mir, und die Spannung sollte jetzt steigen. Denn unser Held “Hyde” ist endlich in Burma angekommen, der Showdown naht. Oh ja, Showdown: Ein Reißer soll das sein, spielt in Bangkok, Penang, London, Mandalay und Konsorten, quasi “in der Hitze” und im Dschungel auch noch, teufel, teufel. Aber, und das ist eine alte australische Wahrheit: “There’s always a bud”, das Buch packt mich einfach nicht. Ist es die schlichte Übersetzung, das recht verkorkste Setting, ich weiß es nicht. Ich hab’s probiert. 289 Seiten lang, immer auf den Knaller wartend. Und jetzt ist genug. Das Ding hätte ich sogar am Pool im New Siam IV weggelegt und dann eingetauscht. Zum Glück kam’s bloß vom amnesty Bücherflohmarkt hier in Friedrichshafen. Sechs Kilo Bücher für zwölf Euro – bargain! Ich greife nach dem nächsten Kilo und werde berichten.
Fazit: Kannste knicken!
“In 80 Tagen um die Welt” von Helge Timmerberg
Alt ist er geworden, verhärmt, traurig. Macht sich auf die Socken, um mindestens 80 Tage von Berlin wegzubleiben, dabei die Welt zu umrunden. Helge Timmerberg ist unterwegs, vielleicht das letzte Mal: “Ich sah nach oben und ging nach vor. Ich träumte im Kreis. Vorbei. Das Spiel ist aus. Eine einfache Wahrheit hat Schluß damit gemacht. Reise ist Leben. Und Leben ist Leiden. Es macht keinen Unterschied. Gehen oder bleiben.” Ja, Timmerberg hat seinen Buddha verstanden und kehrt daher mit gereinigter Seele nach Berlin zurück. Und dort entdeckt er, dass die ganze Welt hier ist. Er muss nicht mehr weg. Da hat er nicht unrecht, aber er ist noch zynischer geworden, noch fatalistischer. Nach wie vor geniale Schreibe, aber alles so traurig. Vielleicht gibt Timmerberg jetzt den deutschen Nooteboom, wir werden sehen. Ach ja: Natürlich kommt er auf seinem Trip auch in Bangkok vorbei und erklärt uns die Soi Cowboy. Das immerhin, das ist nicht schlecht.
Fazit: Fühlst Du Dich zu alt zum Reisen und wirfst gerne einen ironischen Blick auf die reisende (Mit)Welt, dann kaufen.
“Bangkok – Urban Identities”
… sieht nicht nur gut aus und macht sich prima auf dem Tisch. Nitschs Bilder haben eine Message: “Peter Nitschs Fotografien dokumentieren das Leben auf den Straßen von Bangkok mit einem eigenen, fast intimen Blick auf die Stadt: Im Mittelpunkt steht der Mensch im urbanen Umfeld der Metropole. Die Bilder zeigen Szenen, Gesten, Typen: einen alten Friseur, einen Rahmenmacher, die typische Suppenküche oder eine Buddhagirlandenverkäuferin bei Nacht. Sie alle stehen für den Versuch, in einer sich globalisierenden Stadt ein Stück thailändische Identität zu bewahren.” Das gelingt ihm meiner Meinung nach ganz hervorragend, authentisch und vor allem mit einem guten Händchen und einem guten Feeling für die Szenen, für die Stadt. Lieber wär’s mir also, ich könnte ein paar seiner Bilder in meine Präsentation einbauen …
Fazit: Sieht gut aus, fasst sich gut an, astreine Arbeit, auch schon mehrfach ausgezeichnet – verständlich.
“Wallpaper City Guide Bangkok”
Nur auf englisch, gut in der Hand, gut anzuschauen: das Bändchen “Bangkok” aus der Wallpaper-Reihe. Für wen das Teil gut ist? Das zeigt sich schnell. Ein Beispiel: Der gute alte Iwanowski “Thailand mit Phuket” (s. u.) zeigt auf den grünen Seiten, Kosten sind das Thema, eine Vergleichstabelle “Preisbeispiele für einzelne Gerichte in einem durchschnittlich teuren Restaurant”. Da gibt’s Salat, Suppe, Pancake, eine Tasse Kaffee oder eine Flasche Bier (0,33). Also alles, was reisender Mensch so zum Überleben braucht. Schauen wir in den Wallpaper-Guide: “Cost of Living” beginnt mit der Taxifahrt vom Flughafen zum Stadtzentrum, steigert sich über den “Cappuccino”, das “Packet of Cigarettes” bis hin zu – jetzt kommt’s “Bottle of Champagne” (für 69 Euro). Das muss man mögen. Ansonsten aber sind wirklich gute Fotos drin von wirklich guten Locations in Bangkok, von denen wiederum ich mir sicher ein paar anschauen werde. Auch wenn die vorgeschlagenen Hotels völlig unerschwinglich sind, die Restaurants fast unerträglich stylish und die Shops grandios hip. Ein Satz aus dem Büchlein noch, und da kann mein Lieblingsguesthouse New Siam I kaum mithalten: “And, as a general rule, try to dine, drink and dance outside your hotel, but make it your refuge for spa, pool, and teatime.”
Fazit: Wenn Du ein hipper Yuppie bist, Kohle ohne Ende hast: kaufen und überall Gleichgesinnte treffen.
“Same same, but different!”, Fotografien von Thomas Kalak
“Wie ein Forscher spürt Kalak seit 1999 auf Bangkoks Straßen und Hinterhöfen Zeugnisse einer bisher unbekannten Alltagskultur auf, die viel über das Leben dieser Stadt erzählen, über den Einfallsreichtum und die Improvisationskünste der Thailänder”, sagt Remo Masala im Vorwort zum Buch. Und er hat recht: Was ich in Worten versuche, macht Kalak mit Bildern. Guten Bildern, pointierten Fotos, Miniaturen, Stillleben und vor allem quergedachten (Aus)Blicken. Wer mal in Bangkok war, der wird grinsen. Wer hinwill, der wird sagen: “Was isn das?”. Und wenn sie/er vor Ort ist, wird sie/er verstehen. Ich sage nur: Zigarettenpackungen. Was die thailändische Regierung oder vielmehr das Gesundheitsamt an Grausamkeiten auf den Packungen abbildet, da fällt einem gleich der Reis wieder aus dem Gesicht. Thomas Kalak schießt das. Kommentarlos, stark. Oder eine selbstgemachte Tischtennisplatte, ein Fahrrad, das als Besen- und Wedelladen unterwegs ist, oder wilde Stromleitungen, gebändigt mit einem riesigen Kamm. Dazu ist das Buch auch noch handwerklich gut gemacht, die Bilder sind prima reproduziert.
Fazit: Unbedingt kaufen, schmunzeln, verstehen.
“Die Vögel von Bangkok” von Manuel Vázquez Montalbán
Das Buch ist zwar schon ein paar Jahre alt, 1983 im Spanischen veröffentlicht, 2002 auf Deutsch, aber es passt immer noch. Und ist ein großes Vergnügen, nicht nur als Urlaubslektüre. Man muss ihn einfach lieben, den durchgeknallten Helden Pepe Carvalho, seines Zeichens Privatdetektiv. Carvalho hat sein Revier in Barcelona, zum Kaminanheizen verwendet er Bücher aus seinem endlosen Bücherregal, seine Geliebte ist eine Prostituierte, seine Leidenschaft ist das Kochen. Carvalho also verschlägt’s nach Bangkok, obwohl er da gar nicht hin will. Aber eine alte Freundin, Teresa, steckt in echten Schwierigkeiten. Unser Held also zieht los, um Teresa zu retten. Wie’s ausgeht, und was die Vögel damit zu tun haben, wird hier nicht verraten. Nur so viel: Montalbáns Beschreibung eines Wochenendmarkts ist einfach unübertroffen: ” (…) Pökelfleisch, Bronzefiguren, Fliegen, ausgespuckter Betel, grüne Reiskörner, süße, eitrige Dauerwürste, getrocknete, mumifizierte Tiere, Marktaufseher, bedrohlich und nervös wie ganze Herrscharen afrikanischer Heuschrecken, federleichte Pilze (…)” Und so geht’s weiter, da wird’s einem ganz warm ums Herz.
Fazit: Unbedingt lesen.
“Bangkok tattoo” von John Burdett
Ein richtig dickes Buch, so 400 Seiten rund. Und: 250 hättens auch getan. Harte Worte, aber durchaus angemessen. Die Story ist komplex, Prostitution in Bangkok ist ein Riesenspaß, und am Ende war´s weder Al Kaida noch der CIA, noch andere böse Jungs, die die guten Jungs umgebracht haben. Was mir am meisten auf den Zeiger geht: Burdetts vermeintlich sarkastisch, ironische Darstellung der alltäglichen Prostitution rund um Pat Pong. Denn sein Held ist Zuhälter, seine Mutter Puffmutter, der Polizeichef der Puffbetreiber usw. Überhaupt sind alle korrupt, alle böse, manche Bösen sind eben ein bisschen schlauer. Werden dabei aber nicht sympathischer. Zwei gute Sachen im Buch: die Übersetzung des Namens von Bangkok in aller epischer Breite ins Deutsche und die drei Seiten über die Khao San Road. Denn hier haust der Tätowierer, der am Ende eben …. Auf jeden Fall hat er Schulden, und dass die Gemordeten keine Haut mehr auf dem Rücken haben, das hat er zu verantworten. Burdetts Ortskenntnisse sind übrigens wirklich beeindruckend.
Fazit: Ok Schreibe, wenig Tiefgang, passende Urlaubslektüre für Bangkok.
“Tiger fressen keine Yogis” von Helge Timmerberg
Anno 1987 war’s, wir hatten gerade ein recht schlampiges Abi hingelegt, da sind wir in den VW-Bus gesprungen und haben uns auf in die Türkei gemacht. Drei Jungs, ein Bus, etliche tausend Kilometer. Ein Station war, na klar: Istanbul. Und, ebenso klar, schräg gegenüber der Blauen Moschee nächtigen, den “Puddingshop”, in der Nähe. Der “Puddingshop” ist eine Toilette, “bestialisch zugeschissen und nicht abschließbar ist dieses historische Scheißhaus der Hippiebewegung (…)”, sagt Helge Timmerberg. Und damit sind wir beim Thema. Timmerberg ist ein hervorragender Schreiber mit einer extrem starken Sprache. Eigentlich immer ein Lesevergnügen. Eigentlich, denn manchmal ist er selbstverliebt, verliebt in seine Sprache. Er weiß, das er es kann, daher lässt der häufig den Tiefgang missen. Denn das Wesen der Reisereportage sollte sein, nicht nur das Erlebte zu erzählen, sondern mit Facts, Ansichten, Geschichten zu unterfüttern. Das vermeidet Timmerberg in eigentlich jeder der 27 Stories. Wenn es anfängt, mich zu fesseln, steigt er aus. Gerade die “Straße nach Indien” über Türkei, Iran und Pakistan hätte mich jetzt wirklich interessiert. Wenn er denn …, siehe oben. Ansonsten: nette Drogengeschichten, über Sex schreiben mag er auch ganz gerne. Das ist doch was.
Fazit: Klasse Schreibe, wenig Tiefgang, gute Urlaubslektüre.
“Thailand mit Phuket” von Roland Dusik, Reisebuchverlag Iwanowski 2008 (ganz neu)
Ja mei hat der Mann sich eine Arbeit gemacht. Das Buch ist derartig ausrecherchiert, dass ich keinen Haken gefunden habe. Na ja: fast. Irgendwas zum Mäkeln gibt es immer. Aber ernsthaft: Wenn es in einem Reiseführer darum gehen soll, dass ich a) vorher mich schlau machen kann, b) während des Aufenthalts in der Ferne mich soweit wie möglich zurechtfinde und c) wieder in der Heimat alles nochmal nachschlagen kann, dann ist “Thailand mit Phuket” ein echtes Vorbild. Habe das Teil von vorne bis hinten gelesen, und mir ist nicht langweilig geworden.
Aber, klar, er ist einfach einen Kick upperclassiger als unsere Freunde von “Lonely Planet”. Beispielsweise startet Dusik bei den Übernachtungsmöglichkeiten in der Khao San mit dem “New Siam III” als günstiger Unterkunft. Dabei gibt’s auch noch New Siam I und New Siam II (und seit neuestem noch das “New Siam Riverside”). Und ich bette mein Haupt am liebsten im New Siam I. Nicht gut genug? Auch scheint in der Karte auf Seite 151 das New Siam III an der Stelle des New Siam II eingezeichnet zu sein. Aber das ist dann wirklich Korinthenkackerei.
Was noch? Ein wenig in den Eselsohren, die ich reingeknickt habe, geblättert. 13 sind’s. Ah ja, Seite 108 Flughafensteuer: Entweder haben sie vergessen, uns abzukassieren, oder es gibt sie in der Tat in Suvarnabhumi nicht mehr. Nichts genaues weiß man nicht. Bin auf jeden Fall im März 2008 auf den 1.400 Baht für zwei Nasen sitzen geblieben. Selbige bringe ich aber Ende Oktober unter die Leute.
Dass das Mah Boon Krong Foodcenter der Hype ist, ist auch Dusik nicht entgangen. Nur findet man das Teil jetzt bald in jedem Reiseführer, und bald sitzen nur noch Farangs und Reiseführerautoren drin;-)
Und das soll alles sein, Meister Blank? Nun denn: Ich bin nur oberskeptisch bei den Locations, die ich sehr gut kenne. So fehlt bei den Unterkünften auf Kho Samui in Chaweng unbedingt “Charly’s”. Es sei denn, die haben das Ding jetzt zugemacht. Wäre auch nicht so schlimm. Dafür sind auf Kho Phangan meine alten Freunde von “Sun Cliff” in Hat Rin drin, da werden sie sich freuen. Ist aber auch ein netter Spot. Bei der Aufzählung der Tauchspots rund um Kho Tao könnte der “Sail Rock” noch mit rein mit seinem tollen “Loch im Fels, durch das man rauf oder runter durchtauchen kann”, je nach Mut oder Talent.
Da Dusik es auch noch geschafft hat, die Khao San Road als “Mekka der Backpacker” mit reinzupacken gibt’s nur ein Fazit:
Fazit: Du willst nach Thailand? Dann kaufen!
“Nichts und Amen”
Starker Tobak ist das Buch von Oriana Fallaci (gestorben am 15. September 2006). Adam Wist, der Mann mit dem Fahrrad, der mit selbigem schon überall auf der Welt war, hat mir vor einiger Zeit das Buch geschenkt. Weil es ihn bewegt hat, weil es bewegend sei. Stimmt.
Anfang der 1970er schrieb sich die italienische Kriegsreporterin Oriana Fallaci den Vietnamkrieg vom Leib. Den Wahnsinn, das Perfide, das Chaos. Schaut Euch “Apocalypse Now” an, lest dann das Buch und: Es war wirklich wie im Film, nur noch schlimmer.
Man muss nicht das ganze Buch lesen, um zum überzeugten Pazifisten zu werden. Daher ist nur eine Empfehlung möglich:
Fazit: Unbedingt lesen!
“Video Night in Kathmandu”
Nach meiner Lesung am 6. Juni im Friedrichshafener Kiesel kam eine Kollegin auf mich zu und meinte voller Stolz: “Ich bin auch Traveler!” Ich wusste jetzt nicht, ob ich ihr gratulieren soll. Das war aber nicht nötig, denn sie beschwerte sich gleich, dass Lonely Planet den neuen Guide über einen Trail in den USA – von dem ich noch nie gehört hatte – trotz Ankündigung noch nicht herausgebracht hat. Leider leider konnte ich ihr da wirklich nicht weiterhelfen. Da müsste sie bei der BBC nachfragen, die Lonely Planet ja anscheinend für 100 Millionen Dollar übernommen haben.
Anyway: Sie empfahl mir ein Buch “Video Night in Kathmandu“, Autor wüsste sie gerade nicht.
Der Schreiber heißt Pico Ayer, er ist ein recht smarter Bursch, in England geboren, von indischer Abstammung, der quasi an allen Eliten-Unis der USA studiert hat, und er schreibt auch so. Das Buch erschien 2001 beim Bloomsbury, und ich hab´s bei amazon gefunden.
Auch wenn die Kiste teilweise sehr akademisch ist, ist das Buch eine Bereicherung für die Leute, die sich mit Asien und Konsorten ein wenig auseinandersetzen. Ayer spannt mit seinen Besuchen und Analysen den Bogen von Bali über China und die Philippinen, Burma und Hong Kong bis zu Thailand und Japan. Er beschreibt die dortige Welt und die Wahrnehmungen. Sein Fazit ist passend, allerdings mehr als 20 Jahre alt. Aber gerade was Thailand angeht, bin ich seiner (zeitlosen) Meinung: “As for Nepal, and Thailand even more, both gauged Western tastes so cleverly and adapted Western trends so craftily that both, I felt, could satisfy foreigners’ whims without ever becoming their slaves.”
Fazit: lesenswert.

