Friedrichshafen
Stefan Blank schreibt Buch über „turbulenteste Straße der Welt“ in Bangkok

Der Friedrichshafener Stefan Blank schreibt derzeit an einem Buch über den Rucksacktourismus. Genauer gesagt: über die Khao San Road in Bangkok, das weltweite Zentrum der Traveller. Auf dieser nur 400 Meter langen Straße pulsiert das Leben, und Stefan Blank fängt es ein. In schnellem Tempo, mit viel trockenem Humor schickt er in seinem Text „Being Lonely Planet: Thailand“ den fiktiven Journalisten Michael Maier durch das Gewühl der vielleicht turbulentesten Straße der Welt. Dabei entsteht ein Text jenseits aller eindeutigen Genres. Der SÜDKURIER sprach mit Stefan Blank über sein schriftstellerisches Projekt, für das er in diesem Jahr mit dem Künstlerförderpreis der Stadt Friedrichshafen ausgezeichnet wurde. (rup)
Was ist das Einzigartige an der Khao San Road?
Es ist meiner Ansicht nach fast die einzige verbliebene berühmte Straße, an denen sich noch immer die Traveller treffen und die ihren Charakter behauptet hat. Früher sind die Traveller durch Südostasien gelaufen und sind sich immer wieder an den gleichen Orten begegnet. Das ist heute zwar auch so, aber diese berühmten Straßen, die der Spot waren, wo man gewohnt hat und wo die Kneipen waren, davon gibt es nicht mehr viele. Im März waren meine Frau Monika und ich unterwegs und haben uns in Penang und in Singapur umgesehen, aber da ist nichts mehr. Der Mainstream-Tourismus hat diese Straßen aufgezehrt. Das Faszinierende an der Khao San Road: Dort ist die ganze Traveller-Welt, aber auch noch sehr viel Thailand. In dieser Straße kulminiert für mich alles. Meine These ist, dass man aus der Khao San Road gar nicht mehr wegzugehen braucht. Man macht dort als Traveller mit den Einheimischen Erfahrungen, die man auch im ganzen übrigen Land macht.
Wie oft hast du Bangkok bereist?
Ich hab kürzlich bei einer Lesung damit angegeben, dass ich vor 30 Jahren zum ersten Mal in Thailand war – und alle meinten, ich sei furchtbar alt; aber ich war damals elf. Der Vater eines Freundes war Entwicklungshelfer, und so waren wir unterwegs. Seither war ich bestimmt fünfzehn- bis zwanzigmal in Bangkok. Das ist die Drehscheibe, und von dort habe ich geschaut wie es weiter geht.
Immer mit dem Rucksack?
Ja, sicher. Damals gab es nichts anderes. Wir sind alle Jünger von „Lonely Planet“, das ist eine Serie von Reiseführern speziell für Traveller. „Southeast Asia on a Shoestring”, das war die Bibel für uns. Das Land ist im wahrsten Sinne des Wortes zu deinen Füßen gelegen und du bist diesen Pfaden gefolgt – Rucksack, billig bis zum Gehtnichtmehr, verratzte Betten und so weiter. Ich muss aber zugeben, dass mit das jetzt, mit 42, schwer fällt. Ich hab schon auch gerne ein Zimmer mit Air Condition. Ich bin halt keine Mitte 20 mehr.
Wie ist der Handlungsfaden deines Buchs?
Das Buch ist genauso aufgebaut wie ein „Lonely Planet“-Reiseführer. Er gibt dir die Handreichung: Wo musst du hingehen? Welche Busse musst du nehmen? Wo solltest du essen gehen?, und so weiter. Insgesamt sind es 19 Kapitel. Der Akteur ist mein Held Michael Maier. Er ist Journalist, der eigentlich nur über Lokales berichtet, der aber mal das große Buch schreiben will, vielleicht das große Reisebuch, in dem er Klischees bricht, um dann der große Crack zu sein. Deswegen geht er nach Bangkok, um die Khao San Road total kritisch anzukucken – nach dem Motto: ‚So ein Mist, da ist durch den Kommerz doch alles total verdorben und hinüber’. Aber durch diese 19 Kapitel hindurch sinkt er immer tiefer in die Khao San Road ein. Ich weiß, ehrlich gesagt, noch nicht, wie das Buch ausgeht. Er muss aus der Straße ja irgendwie wieder rauskommen; daran arbeite ich gerade.
Gibt es Interesse von Verlagen?
Da habe ich ein kleines Handicap. Alle Verlage, denen ich das Buch vorstelle, finden es toll. Der Unionsverlag in Zürich zum Beispiel war ganz begeistert, meinte aber, es passe nicht in die Verlagslinie. Der Text passt eben nirgends so richtig rein: Es ist in dem Sinne keine Reiseerzählung, es ist kein Reiseführer, es ist auch keine gänzliche Fiktion; es ist überall so dazwischen. Als ich letzte Woche gelesen habe, haben gleich 15 Leute gefragt: Gibt’s das Buch schon? Und ich muss immer sagen: ‚Es ist noch nicht soweit. Was ich hier mache, ist ein Werkstattbericht.’ Ich muss die Ochsentour durch die Verlage machen. Parallel dazu sage ich mir: Ich muss das Ding jetzt mal fertig schreiben, egal ob ich gleich wo unterkomme oder nicht. Ich will einfach meine Story erzählen.
Gibt’s weitere literarische Pläne?
Das Buch, an dem ich jetzt schreibe, soll der Einstieg in eine Trilogie sein. Es gibt noch eine zweite Straße, die so ähnlich ist wie die Khao San Road – sie ist auf Bali und heißt Poppies Gang. Irgendwie muss ich es schaffen, dass Michael Maier dort aufschlägt. Danach könnte ich mir vorstellen, ihn nach Indien zu schicken, wo ich viel unterwegs war – nach Dharamsala, wo der Dalai Lama wohnt. Dharamsala ist hoffentlich noch so, wie ich es in Erinnerung habe; das muss ich mir vorher noch mal ankucken. Dort wird Michael Maier vielleicht den Dalai Lama treffen. Womöglich kommt es dann dazu, dass er die Welt versteht. Und dann verschwindet er. Irgendwann muss es ja mal vorbei sein.
Du hast einen Internet-Blog eröffnet. Worum geht es da?
In erster Linie darum, zu berichten, was beim Prozess des Schreibens so passiert. Zum Beispiel möchte ich lauter Bücher lesen, die sich mit Bangkok beschäftigen. Deswegen habe ich auf meiner Homepage einen Büchertisch aufgemacht. Immer wenn mir was begegnet, wo Bangkok gestreift wird, oder sogar die Khao San Road, schreibe ich eine kleine Kritik darüber. Genauso schreibe ich darüber, was bei mir im Kopf abläuft, wenn ich bestimmte Bücher lese. Wie spiegelt sich das in dem, was ich schreibe? Wie kann ich auch das Feedback der Leute verwerten, die mir im Blog schreiben? Natürlich, es gibt unzählige Blogs, und ich versuche durch Verlinkungen eine Netzwerkstruktur zum Thema zu schaffen. So entsteht dann eine Community, die sich austauschen kann.
Das Gespräch führte Harald Ruppert


