Es geht um die Khao San Road in Bangkok. Wer da noch nie war, sollte mal hin.
Wer da schon einmal war, will entweder unbedingt wieder hin – oder nie wieder.
Hier ein Stück aus dem Exposé von "Being Lonely Planet: Thailand". Dieses Kapitel habe ich auch bei der Verleihung des Künstlerförderpreises vorgelesen:
1. Bangkok
„No money no honey“ – schreit Tim in mein Ohr und demoliert mir mit der Faust die Schulter. „Hi Tim. Wie geht’s, du alte Biermütze?“ Die Antwort kommt schnell, aber ich bin vorbereitet: „Same same …“– „but different“, beende ich den Satz. Ein Spruch, den ich schon nach einem Tag nicht mehr hören kann. Schlagartig bin ich zurück in der Bangkoker Wirklichkeit. Und wo ist die wirklicher als in der Khao San Road, mittendrin und live dabei.
Tim ist ein australischer Penner, ein Witz. Sein Spruch „No money no honey“ auch: Er schmückt Tims neues, wahrscheinlich geklautes T-Shirt aus der Khao-San-Road-Reihe. „No money no honey“ ist eine alte Weisheit im Bangkoker Rotlichtmilieu und hat somit globale Gültigkeit. Will heißen: „Ohne Geld keine Gegenleistung“. Bescheuert sind diese T-Shirts, die die Touris zum Angeben mit nach Hause nehmen – nach ihren zweiwöchigen Abenteuern in Asien. Damit zeigen sie, dass sie Humor haben.
Tim lacht nicht, Tim will Bier. Was sonst. Geld hat er keins, was sonst. Dafür die gelbliche, ungesunde Gesichtsfarbe des Gewohnheitstrinkers, die abgerissenen Shorts und die vergammelten Zähne des in Thailand gestrandeten Weißen. Dabei ist er erst 26. Ich bestelle zwei Bier Chang, die Mutter des billigen Thai-Biers. Der durchgeknallte Kellner oder Sohn oder Bruder des Barbesitzers bringt sie an den Tisch. Seine ständige Grinserei nervt. Ich drehe mich schnell weg, damit ich sein Gesicht nicht mehr sehen muss. In der anderen Richtung sitzt Tim. Sein Gesicht ist auch nicht besser. Ein schneller Blick über das Inventar des Gecko Corners: Alle am Tisch-Sitzer sehen hier so aus, irgendwie gestrandet.
Das Gecko Corner ist nicht von dieser Welt. Es ist irgendwann aus der Zeit gefallen. Man sieht: die üblichen Verdächtigen unter einer Markise auf stickigen hundert Quadratmetern, direkt an der Gasse ohne Namen, neben Abwasserkanal und Hundescheiße – der quasselnde Wiener, der dicke Deutsche, der aufdringliche Brite. Und jeder Tisch biegt sich durch mit Bier Chang, die Typen werden belagert von ihren Thai-Mädchen. Khao San Road, Bangkok, durch den Tempel, rechts ums Eck. Und was braucht’s für ein zufriedenes Publikum mehr als einen großen Kühlschrank für den großen Durst.
